... da hör ich hin.
                                  ... da geh und hör ich hin.
                                    ... da gehör ich hin.
Wo Männer singen

Laut Wikipedia bedeutet das Wort „Sichtweise“: Eine Meinung zu einer Sache aus einer definierbaren Richtung zu haben. Wie soll eine Kältemaschine eine Meinung über einen Liederkranz haben? Hierzu gibt es eine interessante Begebenheit aus dem Jahr 1998.  Hindus feiern im Oktober das mehrtägige Fest „Dashahara“.kaeltemaschine Nach dem Glauben der Hindus sind Maschinen Götter. Wenn das so wäre, dann wären auch Kältemaschinen Götter. Das Fest „Dashahara“ ist eines der wichtigsten Feste der Hindus, was über mehrere Tage gefeiert wird. Sie verehren an einem Tag alles was Maschine ist, angefangen von der Schere bis hin zur höchsten technisch komplexen Anlage, als Gottheit. Überall sieht man gelbes Pulver, Räucherstäbchen, Blüten und Blumenkränze, sogar an fahrenden Autos. Vor lauter Freude schrecken die Hindus nicht einmal zurück, im explosionsgefährdeten Bereich einer Lackieranlage Räucherstäbchen aufzustellen.

Auch während des Jahres wird jede Maschine, welche in Betrieb geht, als Gottheit verehrt. In der Stadt Nashik 180 km (8 Autostunden!) nördlich von Bombay (heute Mumbai) wurde dem Autor dieses Artikels bei der Firma Mahindra diese Ehre zuteil. Folgende Zeremonie gibt es dafür: Nachdem die Maschine läuft, wird sie mit gelbem Pulver, einem Blumenkranz, trockener Banane und einer aufgeschlagenen Kokosnuss gut gestimmt. Sie soll dadurch dem Menschen immer wohl gesonnen sein. Bei dieser Zeremonie müssen alle die Schuhe ausziehen, denn an einem heiligen Ort trägt man keine Schuhe. Jeder der Anwesenden wird mit dem roten Punkt, genannt „das Bindi“, geschmückt. Das Bindi ist die weibliche Form des Tilaka, dem hinduistischen Segenszeichen und wird auf die Stirn gemalt. Die Stelle auf der Stirn wird als „drittes Auge“ betrachtet, wo besonders viel Energie fließt.

Bei einer solchen Zeremonie wäre aus Sicht dieser Kältemaschine die Anwesenheit des Liederkranzes Schlaitdorf selbstverständlich gewesen und es wäre sicherlich eine große Bereicherung dieses Festaktes gewesen. Aber nein, der Liederkranz Schlaitdorf glänzte durch Abwesenheit. Wahrscheinlich hatten die Sänger wegen der Sommerpause nichts einstudiert. Es stellt sich auch die Frage ob Friedrich Silcher dazu ein passendes Musikstück komponiert hat. Dem Autor ist zumindest bis heute kein solches Stück bekannt. Ein solcher Auftritt wäre aber für den Liederkranz Schlaitdorf sicher unvergessen und würde die Sichtweise auf wichtige Dinge des Lebens mancher Sänger verändern.

Sichtweise ist oft auch ein Vergleich mit seiner eigenen Situation. Man glaubt gar nicht, wieviel Ähnlichkeit zwischen einer Kältemaschine und dem Liederkranz besteht. Beide machen Geräusche, den Einen gefällt es, den Anderen nicht. Für Kältetechniker ist es Musik in den Ohren, wenn die Kältemaschine harmonische und richtige Töne erzeugt. Nicht anders ergeht es der oder dem Chorleiter(in), wenn niemand außerhalb der Harmonie singt. Beherrscht Disharmonie den Klang sind beide Berufsgruppen genauso enttäuscht und verärgert und müssen daran arbeiten, dass es in der Zukunft stimmt.

Sänger können meistens einen Ton ca. 5 Sekunden halten, dann geht den Sängern die Puste aus. Hier ist die Kältemaschine besser. Eine Kältemaschine hält Ihren Ton präzise und lang, oft so lang, bis es Menschen auf die Nerven geht!

Beim Singen saugt man Luft an, erwärmt sie im Körper, und bläst sie wieder mit Druck aus. Nichts anderes macht ein Kompressor in einer Kältemaschine. Er saugt Kältemittel an und stößt das Kältemittel wieder mit Druck erhitzt aus.

Ohne Schwingung geht es weder beim Singen noch beim Verdampfen oder Verflüssigen von Kältemittel. Je nach Anstrengung sind sowohl die Kältemaschinen, als auch die Sänger lauter oder leiser.

Kein Haar anders ist es, wenn sich Sänger oder eine Kältemaschine verschlucken. Beide haben damit erhebliche Probleme.

Ganz entscheidend für die Qualität ist auch, ob alles gut geölt ist. Nur so entsteht das richtige Produkt. Früher hätte man gesagt: Ein Sänger der nicht säuft, ist wie eine Kältemaschine die nicht läuft. Das stimmt heute natürlich schon lange nicht mehr! Sänger sind heute Genießer und trinken nicht im Unverstand.

Noch weitere Parallelen gefällig? Kältemaschinen können auch als Wärmepumpen eingesetzt werden. Schlussfolgerung: Menschen wird es warm ums Herz ob es um eine Kältemaschine geht, die heizt, oder ob es ein Lied oder eine Melodie ist, welche einen berührt.

Und da sage noch einer: Kältemaschinen und der Liederkranz Schlaitdorf haben nichts gemeinsam!

 

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