... da hör ich hin.
                                  ... da geh und hör ich hin.
                                    ... da gehör ich hin.
Wo Männer singen

kohn12011.11.23.(26) WanderausklangWieder einmal Freitag und eigentlich wäre es so schön, wenn man erst zur zweiten Stunde in die Schule könnte. In den ersten 3 Klassen war es ja noch „freiwillig“ – aber in der 4. Klasse hatte kein Schüler eine Chance zu entkommen; die Rede ist vom Fach „Chor“.

Erst später sollte ich erkennen, dass der „Pauker“ mit der freiwilligen Pflichtteilnahme am allfreitäglichen Chorgesang die Gesangselite Schlaitdorfs herausfilterte und förderte.

Zugegeben, die 4 Jahre Grundschule Schlaitdorf unter dem Regiment des teils patriarchisch wirkenden Schulleiters H. Bizer war der Grundstein für weitere Aktivitäten im Chor in Neckartenzlingen.

Mit dem Übergang in die weiterführende Schule fühlte ich mich befreit – so hoffte ich, dass ich bei der Masse an Schülern auf dem „Gymi“ eher untergehen könnte – doch weit gefehlt.

Chor war nicht mehr freitags in der ersten Stunde – sondern donnerstags in der 6. Stunde; also vom Regen in die Traufe. Verstehen kann es nur der, der auch weiß, dass am Donnerstag noch Mittagschule war – also ein 9-Stunden-Tag + Chor. Einziger Lichtblick: die Chorleiterin (Flamm) war durchaus attraktiv.

Doch irgendwie hatte dieser Schlaitdorfer Grundschulleiter doch etwas bewirkt.

Als die Frage kam, ob man beim Lehrer-Eltern-Schüler-Chor mitmachen wollte, schoß meine Hand fast von alleine nach oben (Die Magie des Herrn Bizer???). Und dann wurde der Donnerstag noch länger.

6. Stunde Chor (bei besagter attraktiven Chorleiterin) – nach der Mittagsschule noch der „Große Chor“ (bei weniger attraktivem Hr. Stepp) – und dann nahm doch allen Ernstes der damalige Rektor „dr´ Reischle“ neben mir Platz. Ich hatte das Gefühl, dass ich auf Rektoren anziehend wirkte.

Aus meiner anfänglichen Abneigung entwickelte sich über die Zwischenstufen „Ignorieren“ , „Akzeptanz“, „Beachten“ Schluß endlich ein Verhältnis, das man als „freundschaftlich“ bezeichnen konnte – wenn es sowas überhaupt geben kann, zwischen einem aufmüpfigen Schüler und „Paukern“, die fast meine Großväter hätten sein können.

Doch der „Bann des H. Bizer“ ließ mich nicht los. Mit dem Eintritt beim Liederkranz vor 25 Jahren begab ich mich freiwillig (oder wieder mittels der „Magie des H. Bizer“) erneut unter die „Führung des Herr Bizer“.

Mann war des doof – erst wurden mir von einem Sänger Schläg angedroht, weil ich „Sie“ zu ihm sagte (Hans Greule), dann rutschte mir das „Du“ beim Dirigenten raus und alle schauten mich vorwurfsvoll an; ich wollte doch nur singen.

Wirtschaftssengschdond, Stendle senga, a Leich senga, uff Weihnachda senga, bei d’r Sonnwende au nett v’rgessa – mit dem G’sangverei‘ kommscht uff älle Feschd’r rom.

Gemein wurde die Sache erst, wenn mein ehemaliger Grundschulrektor zum Lied aufrief und keiner teilte Noten aus. Hei, ich bin der Neue – ich kann die Lieder nicht. Mein Nebensitzer Albert Kücherer und Max Reusch beruhigten mich massiv „Wirsch scho leerna“ – tat ich auch; und das mit all den Fehlern der letzten 115 Jahre, die der Verein bei meinem Eintritt alt war.

Irgendwann war dann doch mal die Laune gut – oder mein ehemaliger Lehrer und Rektor nicht mehr ganz alleine – und ich hatte die Gnade nun auch zu guter Letzt , zu diesem Herrn des dauernden Respekts „Du“ und sogar „Hermann“ sagen zu dürfen.

Ich war noch zu unwissend um zu erkennen, dass ich dafür eigentlich ne Runde Schnaps hätte ausgeben müssen – mein Vater rettete mich; „Der goht no end Schual – der hot koi Geld“…… wenn der g’wisst hätt…….

Doch irgendwie wirkte die „Magie des H. Bizer“ nicht so recht.

Als ich 1980 eingeschult wurde, waren wir 9 Schüler und 5 Schülerinnen – die Jungs vermehrten sich, die Mädels nicht – und so hatten wir in der 4. Klasse 16 Jungs und immer noch 5 Mädels.

Doch nur 2 aus dem Einschulungsjahrgang 1980 gaben dem massiven Druck Sog in der Grundschule nach und traten dem Liederkranz bei – und blieben bis heute dem Verein treu.

!slideshow_deploy!!slideshow_deploy!
Hermann Bizer
Jahrgang: 1934
Beruf: Rentner - früher Grundschulrektor in Schlaitdorf
verheiratet mit Elisabeth, 3 Kinder und viele Enkel
Matthias Kohn
Jahrgang: 1974
Beruf: Metallhändler
Familienstand: Verheiratet mit Sandra, Kinder: Sebastian und Katharina
Wirken:
- 1952 – 1955 Internats Chor Michelbach
- 1959 – 1960 Chorleiter beim Kirchenchor Oberriexingen
- 1960 – 1967 Chorleiter beim Frohsinn Reisach (Löwenstein)
- 1967 bis 2001 Chorleiter des Kirchenchors Schlaitdorf
- 1967 bis 2001 Chorleiter beim Liederkranz Schlaitdorf
- ab 2001 Sänger im Kirchenchor Schlaitdorf
- ab 2001 Sänger im 2. Bass und Vizechorleiter des Liederkranzes
- 2005 - 2013 Vorstandsmitglied
Wirken beim Liederkranz
- seit 1990 aktiver Sänger
- seit 1992 Notenwart
- seit 1999 Vizechorleiter
Ehrungen:
- 1976 (beim 100 jähr. Jubiläum des Liederkranzes) geehrt für besondere Verdienste
- 1984 Ehrung für 25 jährige Chorleiter-Tätigkeit durch den DSB
- 1993 Ehrung durch den Liederkranz für 25 Jahre Chorleiter beim Liederkranz
- 1996 beim Konzert zum 120 jährigen Bestehen des Liederkranzes zum Ehrenmitglied ernannt.
- 2001 Ehrung für 30 jährige Chorleiter-Tätigkeit durch den Liederkranz
- 2001 Ehrung für 40 Jahre Chorleiter-Tätigkeit durch den DSB. Verabschiedung als Chorleiter vom Liederkranz.
- 2004 Ernennung zum Ehrenchorleiter
Ehrungen:
- 2016 Ehrung für 25 Jahre Mitgliedschaft mit der silbernen Ehrennadel

 

Eine Antwort auf Wenn sich zwei Lebensläufe kreuzen können daraus auch gemeinsame Wege entstehen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Kategorien
Archive
Kommt ein Tenor nach der Singstunde ins Wirtshaus und sagt am Stammtisch mit gestütztem Organ: "Ich habe meine Stimme versichern lassen." Kurze Stille. Dann fragt einer: "Und? Wieviel hast Du bekommen?"
Was uns interessiert …
Das Interview
lks_0001